Wieso sich die Musik-Industrie selber ruiniert

Es war erst vor wenigen Tagen. Das neue Album von Patent Ochsner war gerade erschienen. Als Auslandschweizer, der immer noch gerne Schweizer Musik hört, habe ich mich auf die Suche gemacht. Spotify?! Fehlanzeige. iTunes Store?! Fehlanzeige. Google Play Store?! Stimmt, den gibt es hier in Hong Kong gar nicht. Also habe ich angefangen Schweizer Online-Shops zu durchsuchen. Leider wurde meine Kreditkarte (aus Hong Kong) immer wieder abgelehnt. Endlich hatte ich dann einen Online-Store gefunden, der Paypal als Zahlungsmittel akzeptiert hat – und mich die Songs mit einer Schweizer Adresse herunterladen lies.

Wieso ich die Songs nicht einfach illegal heruntergeladen habe? Tja, ich mag Patent Ochsner. Ich finde die Band sollte für Ihre Arbeit einen Lohn erhalten. Schliesslich arbeiten wir alle auch nicht gerne umsonst. Doch sind solche Bands und wohl auch mein Gewissen wohl eher eine Ausnahme. Heute morgen ging es dann auch gleich weiter. Auf Twitter habe ich von Taylor Swifts offenem Brief an Apple gelesen. Ja, man kann Apple für die kostenlose Testphase, in der Apple kein Geld an die Künstler bezahlt, zurecht kritisieren. Aber als ich dann die Musik auf Spotify hören wollte wurde ich überrascht. 

Patent Ochsner sind mir wichtig. Taylor Swift ist es nicht. Ich habe einfach auf den nächsten Künstler geklickt. Und Taylor Swift sieht keinen Cent von mir. Das die Musik-Industrie sich selber zu Tode reguliert, wurde mir schon beim Umzug nach Hong Kong bewusst. Songs in meiner Spotify Playlist waren damals nicht mehr abspielbar. Das Apple Family Sharing ist für in der Schweiz gekaufte Songs nicht mehr verfügbar. Schweizer Künstler wollten nicht mehr von mir gehört werden. Vielleicht waren es auch die Labels. Mich interessiert das nicht. Und nur in wenigen Fällen mache ich mir die Mühe wie bei Patent Ochsner.

Mit dem Kauf des neusten Patent Ochsner Albums habe ich wohl zumindest die AGB’s beim Anbieter verletzt, weil ich noch meine alte Schweizer Adresse hinterlegt habe. Zumindest gehe ich davon aus – denn gelesen habe ich die AGBs nicht. Trotzdem besitze ich die Musik legal, habe ich sie doch bezahlt und bei iTunes über iTunes Match hochgeladen.

Für mich zeigt dieses Beispiel jedoch deutlich, wie wir Konsumenten der Musik-Industrie egal sind. Unter dem Deckmantel der besseren Vermarktung werden Songs nur in gewissen Ländern angeboten. Wer umzieht soll diese dann gleich nochmals erwerben. Und gerade deshalb werde ich wohl die neuen Songs von Taylor Swift nur zufällig hören – im Radio oder wenn die Künstlerin wieder zur Vernunft kommt. Bis dahin bezahle ich nichts für Ihre Musik.

Nachtrag 22.06. / 12:15 HKT Time: Auf den Tweet von Taylor Swift heute morgen …

… hat nun Apples VP Eddy Cue reagiert und zwei Tweets gepostet. Somit ist zumindest das Thema Taylor Swift abgeschlossen. Bleibt nur zu hoffen, dass Ihr Album auch auf Apple Music erscheinen wird…

Anmerkung, falls die Musik-Industrie mitliest: Dies ist keine Aufforderung zu illegalen Downloads. Im Gegenteil. Ich bezahle gerne für Musik. Es ist lediglich eine Wortmeldung von einem Eurer Kunden, den Ihr mit Eurer Überregulierung praktisch verloren habt.

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