Wir müssen endlich aus unserem Tiefschlaf erwachen!

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Eigentlich wollte ich nichts zum Thema Charlie Hebdo und dem Attentat in Paris schreiben. Zu viel ist bereits gesagt. Trotzdem lässt mich dieses Thema nicht in Ruhe. Vor allem nicht die Reaktionen aus den Sozialen Netzwerken. Satire darf alles, das war am Mittwoch die allgemeine Aussage. Neben Betroffenheit und einem kollektiven Schockzustand.

Als ich heute morgen auf dem Weg zur Arbeit die Nachrichten auf Twitter überflogen bin, war auch ich im Schockzustand. Schuld waren zwei Tweets, resp. Nachrichten.

Die Pnos will also die Sturmtruppe wieder aufleben lassen. Schliesslich müssen Ihre Politiker ja von übergriffen geschützt werden. Gleich ein paar Tweets später bin ich auf jenen von Manuel Cadonau gestossen.

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Mittlerweilen wurde dieser Post zwar gelöscht, und es folgte eine Erklärung, dass es sich um nicht verstandene Satire gehandelt habe. Nun gut, das mag stimmen und man kann dies so begründen. Dazu braucht es zwar Dummheit gepaart mit Unerfahrenheit auf Twitter. Beides kannte ich von Manuel Cadonau bisher nicht. Und so hat es ziemlich harte Antworten auf die Twitter-Entgleisung gegeben. 

Man kann das ganze Geplänkel auf Twitter nun als Kindergarten von Selbstdarstellern abtun. Tatsache ist aber, dass auch nach dem Attentat von Paris nichts besser wird. Politische Polparteien versuchen die Anschläge für Ihre teils abstruse Politik zu nutzen, Hauptverantwortliche auf der Gegenseite bleiben hingegen still. So ist es beispielsweise echt schade, dass sich Leute wie Nicolas Blancho vom Islamischen Zentralrat der Schweiz nicht klar und vor allem für alle hörbar deutlich vom Attentat in Paris distanzieren. Wenn dann auf der Gegenseite solche Posts von politischen Exponenten wie Manuel Candonau veröffentlicht werden, hat dies aus meiner Sicht nichts mehr mit Satire zu tun. Höchstens mit einem fehlgeschlagenen Witz auf Kosten von Toten.

Und so bin ich mir persönlich sicher: Wir Europäer steuern noch auf viel grössere Probleme zu, sollten wir nicht endlich aus unserem Tiefschlaf erwachen. Der Zerfall der politischen Kultur, Rassenhetze und die zunehmende Polarisierung sind ein Problem. Dabei ist weder die lokale Politik noch der Islam unschuldig. Ja, es gibt Probleme mit dem Islam. Jeder der das abstreitet ist schlicht blind. Solange man aber nur mit dem Zeigefinger aufeinander zeigt und nicht zusammen gegen den entstehenden Graben zwischen den Kulturen ankämpft, wird man die Erfolge niemals sehen können. Und überlässt dabei den polarisierenden Hasspolitikern und Kampagnen wie PEGIDA die Macht.

Der Iranische Präsident ist dabei eines der wenigen, positiven Beispiele. Er meldet sich zumindest klar zu Wort. Doch es müssen viele hunderte Folgen, soll Europa in der Geschichte nicht 100 Jahre in die Vergangenheit zurück katapultiert werden.

Wollen wir nicht ungebremst in eine Wand voller Hass reinfahren, so ist es nun an der Zeit aufzuwachen und sich gegen den Terror zu verbünden. Nicht mit wilder, unüberlegter Internet-Überwachung. Nicht mit Unterdrückung. Nein, jeder einzelne von uns muss seinen Teil dazu beitragen. Muslime müssen sich von diesen Terroristen hörbar laut und deutlich distanzieren. Politiker müssen endlich aufhören alles nur schwarz/weiss zu sehen – und wir aufhören jene die das tun zu wählen. Nur dann wird Europa wirklich frei sein.

Update 9.1.2015 18:43 Uhr: Der Twitter-Account von Manuel Cadonau hat den Tag scheinbar nicht überlebt und ist neu Offline.

Update 9.1.2015 18:54 Uhr: Mir wurde soeben berichtet, dass Manuel Cadonau bedroht wurde. Auch dazu gibt es nur Kopfschütteln. Wer Menschen ernsthaft bedroht hat aus meiner Sicht nichts in unserer Gesellschaft zu suchen. Themen soll man diskutieren dürfen – aber Gewaltdrohungen sind schlicht nur dumm!

Update 10.01.2015 22:48 Uhr: Manuel Cadonau stellt sich den Medien und gibt dem Blick ein Interview. Respekt für die Entschuldigung!

2 Kommentare

  1. Du magst recht haben, in dem du schreibst, dass es kulturelle unterschiede gibt. Dies hat aber nichts mit der religion zu tun. Den der koran ist eine “ kopie“ unseres alten testamtets. Wenn man in der geschichte der religionen und deren ursprung zurück geht, wird einiges klar. Alle europäische glaubensrichtungen stammen aus der tora und somit vom jüdischen glauben ab. Ob es nun katoliken oder reformierte oder evangelisch ist spielt da keine rolle. Der muslimische glaube an mohamet, der auch in der bibel vorkommt, ist und bleibt auch im ursprung ein jüdischer text.
    Die probleme fangen schon früh an, indem die texte frei übersetzt wurden, textpassagen weggelassen oder frei zugefügt wurden. Eine tora, koran, oder die bibel zu lesen, ist nicht so einfach wie eine zeitung. Man muss immer zwischen den zeilen lesen und darf nicht wort für wort 1 zu 1 alles befolgen und glauben.
    Solche bücher sind so wie ein gesetztbuch, es zeigt regeln auf, wie man sich zu verhalten hat für ein friedliches miteinander.
    I am charlie in peace, oliver

    • Oliver – Nein, ich glaube auch, dass dies grundsätzlich nichts mit der Religion zu tun hat. Es gibt genügend Beispiele (zum Beispiel die 99% aller Muslime die friedlich bei uns leben) die das Gegenteil beweisen. Aber: Es gibt trotzdem Probleme mit dem Islam – es ist eine Tatsache, dass zu viele Personen unter dem Deckmantel des Islams Angst und Terror verbreiten. Das muss man in den Griff kriegen, bevor es eskaliert.

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