Das Leben in China, die Regeln in der Schweiz

Eines versteht der Chinese hier in Shanghai nicht. „Warum schliesst Ihr Eure Geschäfte in der Schweiz bereits um 19 Uhr? Seit Ihr denn alle so faul?“ Das ist ein Satz, welchen ich hier öfters hören musste. Keiner kann es verstehen, weshalb wir solche „Handels-Hindernisse“ einbauen. „Es zeige ihm, dass die Schweizer einfach kein Geld verdienen wollen“, so der ehemalige Schweiz-Tourist gegenüber von mir. Er war im Frühjahr zum ersten Mal in Europa. Und die Schweiz hat ihn beeindruckt.

Das Wasser sei blau, die Luft sei selbst mitten in der Stadt sauber. Nur das essen sei eintönig, die Schweizer Geschäfte immer geschlossen und alles sei viel zu teuer, vor allem im Restaurant. Drei Tatsachen, welche mich zum Nachdenken anregen. Wieso sind wir eigentlich so teuer? Sind es die vielen Vorschriften, die es unmöglich machen, ein Abendessen günstiger auf den Tisch zu bringen? Oder eben halt ein Geschäft auch abends geöffnet zu halten? Wieso braucht beispielsweise die Schweiz spezielle Deklarationen auf den Lebensmitteln, weshalb genügen die EU Vorschriften nicht?

Hier in Shanghai dürfen kleine Shops rund um die Uhr geöffnet haben, grosse Shops und Shoppingcenter bis 22 Uhr abends. Auch Sonntags. Eine Regelung die mir gefällt. Einfach, praktikabel und realistisch. Und fair? Wie mir die Verkäuferin im Shoppingcenter erklärt, sei es Ihr nicht erlaubt länger als 9 Stunden am Tag zu arbeiten. Nur in privaten Shops, da arbeite man oft den ganzen Tag. Sie arbeite in der Regel 8 Stunden, 5 Tage die Woche.

Und wie ist das nun mit all diesen Regeln? Eines wird in China sofort klar: Die einzige Regel ist, dass vieles irgendwie flexibel ist. China wächst. China wird stark und mächtig. Bei der Registration für meinen Aufenthalt bei der lokalen Polizei werde ich nach Hause geschickt. Schliesslich ist bald Mittagszeit. Und wenn er jetzt nicht essen gehe, habe es keinen Reis mehr, meint der Polizist. Trotzdem: China hat sich in den letzten 7 Jahren, seit meinem ersten Besuch stark verändert. Es gelten neue Gesetze. Der Staat setzt Regeln, welche von uns skeptisch gesehen werden. Von einem Land, welches seinen Bürgern viel mehr Regeln auferlegt.

3 Kommentare

  1. Tja, in der Schweiz gibt es wohl genügend Gesetze über die man diskutieren könnte. Aber alle wurden von demokratisch gewählten Parlamenten berabschiedet. Die in China auch?
    Vielleicht informierst du dich noch ganz nebenbei, wofür man in China alles hingerichtet werden kann….

  2. @Tinu – Ich muss mich da nicht informieren, weil ich es bereits weiss. Das ist sicherlich ganz und gar nicht toll. Nicht alles was glänzt ist toll. Soll auch kein Loblied auf China sein, sondern eher Gedanken, was man eben in der Schweiz doch vielleicht verbessern könnte.

    Und nebenbei: Was nervt ist das mit der Todesstrafe immer nur China erwähnt wird. In der aktuellen Länderliste auf Wikipedia sind insgesamt 198 Staaten aufgeführt (Stand 18. Juli 2012): 97 Staaten, in denen die Todesstrafe vollständig abgeschafft ist, 58 Staaten haben die Todesstrafe noch. Darunter so bekannte wie USA und Japan. Von denen spricht niemand…

  3. Mir ist bewusst, dass auch demokratische Länder noch die Todesstrafe ausführen. Aber bei deinem Artikel geht es ja um China.
    Wichtiger ist mir der erste Teil meines Kommentars. Unsere Ladenöffnungszeit sind vom Parlament oder durch Volksabstimmung festgelegt. Solange eine demokratischer Konsens besteht, dies so zu belassen, will ich sie nicht mit den Regeln in einem nicht demokratischen Staat verglichen haben.

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